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11.07.2017

Gesucht für Spät- und Nachtdienst auf der chirurgischen Abteilung im Stundenlohn

Pflegefachfrau / Pflegefachmann – erfahren und flexibel

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Pflegedienstleitung Klinik im Spiegel
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14.05.2017

Ein Piks zum Glück

Botulinumtoxin (Botox) hilft bei der Behandlung von Depressionen – die Psychiatrische Universitätsklinik Bern plant eine grössere Studie.

Botulinumtoxin bekämpft Falten, das wissen viele. Weniger bekannt sind die anderen Anwendungsgebiete des Nervengifts, das die meisten unter dem Markennamen Botox kennen. Je nachdem, wo ein Arzt es spritzt, soll Botulinumtoxin (Botox) sogar die Stimmung heben. Und das nicht nur, weil man plötzlich weniger faltig aussieht. Ärzte testen die Substanz als Behandlungsmöglichkeit bei Depressionen. Hinweise, dass das Faltenmittel Menschen mit Depressionen helfen könnte, gibt es schon ­länger. Die Psychiatrische Universitätsklinik Bern plant nun eine grössere Studie zum Thema.

Ursprünglich kamen die Hinweise von Dermatologen. Ihnen hatten Patienten, die sich aus kosmetischen Gründen Botox injizieren liessen, erzählt, dass sie sich nach der Lähmung der Zornesfalte allgemein besser fühlten. In die Falte oberhalb der Nasenwurzel spritzen auch die Ärzte an der Psychiatrischen Uniklinik Bern. Sie bieten diese Methode bereits seit rund einem halben Jahr an. Menschen mit einer diagnostizierten Depression können sich gegen einen Unkostenbeitrag behandeln lassen. Weil Botulinumtoxin für diese Indikation in der Schweiz noch nicht zugelassen ist, müssen die Betroffenen die Behandlung selbst zahlen.

Fünf Einstiche in der Muskelpartie
Eine grössere klinische Studie soll ab Herbst bessere Hinweise liefern, ob die Muskellähmung depressiven Menschen tatsächlich helfen kann. Das Team um Psychiater Gregor Hasler plant, rund 100 bis 150 Patienten in die Studie aufzunehmen. Kosmetische Wirkungen sollten die Probanden nicht erwarten, da die Behandlungen bei Dermatologen meist umfassender sind und mehr Gesichtsareale einschliessen.

Die Psychiater beschränken sich auf fünf Einstiche in die Muskelpartie zwischen den Augenbrauen. Dabei geht es weniger um Stirnrunzeln als vielmehr darum, wenn jemand umgangssprachlich mürrisch oder böse schaut. «Es gibt verschiedene Erklärungsansätze, warum eine Lähmung dieser Muskeln bei Depressionen hilft», sagt Hasler.

Bessere soziale Kontakte?
Die Verbindungen zwischen Körper und Psyche sind eng. Das weiss jeder, der schon einmal aus Nervosität Durchfall bekommen hat. Eine mögliche Erklärung wäre das sogenannte Facial Feedback. Die Facial-Feedback-Theorie besagt, dass es eine enge Verbindung zwischen Bewegungen der Gesichtsmuskulatur und emotionalen Zuständen gibt. Die Frage ist dabei, was bedingt was. Lacht jemand, weil er sich gut fühlt, oder lösen die Gesichtsbewegungen beim Lachen angenehme Gefühle aus?

Hasler vermutet zudem, dass eine Lähmung der Zornesfalte Auswirkungen auf die sozialen Kontakte der Depressiven haben könnte. Schaut jemand nicht ganz so mürrisch drein, fallen vermutlich auch die Reaktionen der Umwelt positiver aus, was wiederum das eigene Empfinden stärken kann. «Depressive haben häufig ein negatives Selbstbild», sagt Hasler.

Der Effekt der Spritzen soll rund drei Monate anhalten. Wenn die Patienten spüren, dass die Wirkung nachlässt, werde ihnen wieder bewusst, dass sie die Augenbrauen zusammenziehen. Was man normalerweise nicht spürt, sondern einfach macht. Zu diesem Zeitpunkt könnten Betroffene ­wegen der gesteigerten Wahrnehmung aktiv versuchen, die Muskeln an der Nasenwurzel weniger anzuspannen, um die Wirkung der Spritzen zu verlängern.

Langzeitfolgen unbekannt
Neue Behandlungsansätze sind dringend gesucht. Depressionen gehören zu den häufigsten psychiatrischen Erkrankungen, und nicht alle Betroffenen sprechen auf die gängigen Antidepressiva an oder leiden unter den Nebenwirkungen der Medikamente. Bei der Botox-Behandlung gibt es wenig Nebenwirkungen. Unklar ist, wie lange die Wirkung andauert und ob man nicht immer wieder spritzen muss.

Kaum erforscht sind zudem die Langzeitfolgen der Spritzen. Niemand weiss, ob das starke Nervengift Botulinumtoxin, wenn man es über viele Jahre wiederholt anwendet, irgendwelche negativen Wirkungen hat. Schon eine sehr kleine Dosis könnte für den Menschen tödlich sein. Für die Spritzenbehandlungen ist die Substanz abgeschwächt.

Ihre Wirkung bei Depressionen wissenschaftlich zu untersuchen, ist methodisch nicht ganz einfach. Den Patienten in der Kontrollgruppe injizieren die Ärzte Salzwasser, niemand weiss, wer was bekommt, doch merken die Betroffenen relativ schnell, ob sie Botox erwischt haben oder nicht, was die Resultate beeinflussen kann.

Neue Ansätze zur Behandlung nötig
Aus diesem Grund möchte Hasler auch Dermatologen miteinbeziehen. Sie sollen den Probanden anstatt Salzwasser Hyaluronsäure in die Zornesfalte spritzen. Die Hyaluronsäure polstert die Falte auf, lähmt aber die Muskeln nicht. Interessant wäre dann, ob der antidepressive Effekt ebenfalls auftritt oder eben nicht.

Bisher gab es drei Studien zum Thema, die alle einen positiven Einfluss nachgewiesen haben, aber zu klein waren, um allgemeingültige Aussagen zu machen. «Es ist wichtig, dieser Frage in einem grösseren Zusammenhang nachzugehen», sagt Professor Martin Hatzinger von der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie Solothurn. Hatzinger war an einer früheren Studie der Uni Basel zum Thema beteiligt.

«Das Spritzen von Botulinumtoxin (Botox) ist bei Depressionen bisher eine experimentelle Therapie», sagt Annette Brühl, die an der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich das Zentrum für Depressionen und Angsterkrankungen leitet. Es sei noch nicht klar, ob und wie das Mittel wirke, und das müsse man seriös erforschen. «Weil die Behandlungsmöglichkeiten bei Depressionen aber beschränkt sind, wären neue Ansätze sehr willkommen», sagt Brühl.

Die bisherigen Erfahrungen seien in Bern durchweg positiv, sagt Hasler. Die Patienten erzählten ihm, sich emotional stabiler zu fühlen, sie seien besser gestimmt, fühlten sich weniger schnell abgelehnt und spürten mehr positive Emotionen. Allerdings hat nicht jeder Depressive eine ausgeprägte Zornesfalte, das hängt auch von der Mimik und Gesichtsanatomie ab. Ob ein Depressiver ohne Zornesfalte auch von der Behandlung profitiert, wissen die Ärzte noch nicht.

(Basis: Artikel SonntagsZeitung, 14. Mai 2017)

Zum Original-Artikel
04.05.2017

Reiseziel Schönheitsoperation

TCS-Magazin 4/2017 mit Referenz auf die Klinik im Spiegel

Mal schnell eben in Thailand den Busen vergrössern oder in Tschechien Fettabsaugen lassen. Die Angebote ausländischer Schönheitskliniken sind oft verlockend. Doch wer das plant, sollte einiges bedenken, um nicht auf die Nase zu fallen. Lesen Sie den Artikel von Juliane Lutz in der Ausgabe des TCS Touring, Ausgabe 04/17
Artikel TCS-Magazin
06.11.2013

Reiche Ausländer legen sich in der Schweiz unters Messer

Schweizer Schönheitschirurgen stehen bei Ausländern hoch im Kurs. Bei manchen Fachärzten kommt fast die Hälfte aller Patienten aus anderen Ländern.

Berge, Städte wie im Bilderbuch und Uhrengeschäfte lockten bisher viele Touristen in die Schweiz. Neuerdings gibt es eine weitere Attraktion: Schönheitsoperationen. Zwar ist die Schweiz im Vergleich mit den USA oder Brasilien mit etwa 50'000 Eingriffen pro Jahr nicht die erste Anlaufstelle.

Doch die Zahl der Ausländer, die für eine Operation in die Schweiz reisen, wächst kontinuierlich an. Trotz der stolzen Preise. So kosten Nasenkorrekturen zwischen 9000 bis 18'000 Franken, je nach Eingriff. Brustvergrösserungen verrechnen die Chirurgen mit 12'000 bis 16'000 Franken.

Guter Ruf lockt Ausländer
«Die Schweiz hat einen Ruf von Exzellenz. Es besteht grosses Vertrauen in die medizinische Qualität unseres Landes», sagt Michael Pfulg. Von den rund 500 Schönheitsoperationen pro Jahr in seiner Klinik Laclinic in Montreux, erfolgen 40 bis 50 Prozent an Ausländern. Etwa die Hälfte davon sind Russen und Bewohner der ehemaligen Sowjetstaaten.

Der Rest reist aus diversen europäischen Ländern an. Jedes Jahr lassen sich mehr vermögende Ausländer bei Pfulg verschönern und verjüngen. Seit diesem Jahr belegen vermehrt auch Chinesen Betten bei ihm. Durch eine Kooperation seiner Klinik mit der Kosmetikmarke Helena Rubinstein ist der Chirurg in der Volksrepublik bekannt.

Enrique Steiger, Schönheitschirurg aus Zürich, bestätigt den Trend zum Schönheitstourismus, der vor etwa acht Jahren eingesetzt hat. Auch Steiger, Inhaber der Clinic Utoquai, behandelt viele Russen, Leute aus Nahost, den Golfstaaten und China. 45 Prozent seiner Patienten sind mittlerweile Ausländer. Monatlich operiert Steiger zwischen 40 und 60 Patienten.

Dem renommierten Schönheitschirurgen wird oft angeboten, mit dem Privatjet zu den jeweiligen Kunden zu fliegen, um sie zu operieren. «Wenn ich absage, können sie das oft nicht nachvollziehen», sagt Steiger. Doch dem Arzt, der auch in den Krisengebieten dieser Welt tätig ist, fehlt die Zeit für Auslandeinsätze, die lediglich der Verschönerung dienen. «Wer sich von mir behandeln lassen will, muss nach Zürich kommen», so Steiger. Seiner Meinung nach würden noch mehr Ausländer zu Fettabsaugungen oder Brustkorrekturen kommen, wenn es in der Schweiz mehr Schönheitschirurgen auf höchstem Niveau gäbe.

Die russischen und arabischen Patienten, die mehr und mehr die Zürcher Klinik Pyramide am See aufsuchen, sind ebenfalls sehr betucht und schätzen den besonderen Service, für den die Schweiz steht: Angefangen bei höchsten Hygienestandards bis hin zum Tophotellerieangebot. «Es kommt vor, dass Patienten mit Bodyguards und Entourage kommen und in der Klinik ein ganzes Stockwerk mieten», sagt Cédric George, plastischer Chirurg und Hauptaktionär der Klinik. Dass von diesem gehobenen Schönheitstourismus nicht nur die Chirurgen profitieren, liegt auf der Hand. Hoteliers, Restaurant- und Ladenbesitzer freuen sich ebenfalls über klingelnde Kassen.

Erste Ausländer in Bern
Auch in Bern, das nicht unbedingt als Zentrum der Schweizer Schönheitschirurgie gilt, wächst der Markt mit Ausländern, die sich unters Messer legen. Andreas Tschopp, Facharzt FMH für plastische, rekonstruktive und ästhetische Chirurgie, behandelt pro Jahr etwa 5 Prozent Ausländer in seiner Klinik im Spiegel bei Bern. Tendenz steigend.

Werbung mache er nicht im Ausland, so Andreas Tschopp. Es sei hauptsächlich die Mundpropaganda, die ihm neue Klienten ausserhalb der Schweiz bringe. Die meisten hätten bereits eine Beziehung zur Schweiz, etwa ein Ferienhaus oder Bekannte.

Aber auch die Mitarbeiter der Botschaften und des Weltpostvereins sorgten seit einigen Jahren für einen konstanten ausländischen Kundenstrom.

Eigene Agentur für Russen
Die Russin Natalia Smirnow, die an der Universität Bern als ärztliche wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig war, eröffnete 2007 wegen des steigenden Interesses in Neuenegg die Agentur Swiss Health Direct. Über diese vermittelt sie pro Monat mindestens 10 Ausländer an Kliniken in der Schweiz und im Raum Bern, hauptsächlich Russen und Bewohner der einstigen Sowjetrepubliken wie von Aserbeidschan, Kasachstan und der Ukraine. «Die Marke Schweiz zieht bei Schönheits-OPs», sagt Smirnow. «Vor allem in Russland geniesst die schweizerische Medizin einen sehr guten Ruf.» Ihre Landsleute seien bereit, für das hier Gebotene viel Geld zu bezahlen, verlangten aber höchste Qualität.

Stephan Hägeli von Acredis, der Gruppe führender Spezialzentren für ästhetische Medizin, sieht hierzulande auf dem Markt der Schönheitsbehandlungen noch viel Potenzial. «Dass das Vertrauen in die Schweizer Medizin gross ist, erweist sich als hervorragende Ausgangslage.» Noch nutzten das zu wenige Kliniken. Bisher hätten sich vor allem die Regionen Genfersee und Zürich als Zentren des Schönheitstourismus herausgebildet. Das weitere Wachstum hänge hauptsächlich von den Marketingaktivitäten der Kliniken ab. «Die besten Chancen, ausländische Patienten zu akquirieren, hat man, wenn man Klienten über Agenturen vor Ort anspricht», so Hägeli.

Jolie gibt den Ton an
Bei ihren Wünschen, so Schönheitschirurgen, orientierten sich ausländische Kunden oft an den weltweit gängigen Schönheitsidealen: So gilt unter den Schauspielerinnen Angelina Jolie derzeit als optisch perfekt. Bei den Models ist es Gisele Bündchen. «Als die Brasilianerin bekannt gab, dass sie sich den Busen vergrössern liess, sprangen viele auf diesen Zug auf», sagt Enrique Steiger aus Zürich.

Ansonsten sind nach Beobachtung der Chirurgen vor allem Nasenverkleinerungen und -korrekturen beliebt, vor allem bei Kunden aus dem Kaukasus und aus Nahost. Weiter hoch im Kurs stehen Brustvergrösserungen, Oberlidstraffungen und Fettabsaugungen. Als besonders offen für Schönheitsoperationen aller Art gelten Russinnen: «Je mehr man macht, desto glücklicher sind sie», so Michel Pfulg aus Montreux.

Natürlichkeit ist Trumpf
Was die ausländischen Klienten nach Expertenmeinung an den Schweizer Schönheitschirurgen weiter schätzten, sei, dass sie «natürlicher» operierten. Das heisst: Brüste werden nicht übermässig vergrössert, sondern den Proportionen des Körpers angepasst. Zudem gelte hierzulande die Maxime: Man soll nicht sehen, dass ein Chirurg Hand angelegt hat. Dies stehe im Gegensatz zu den USA: Dort gilt die Devise: Big is beautiful. Und die Spuren von Eingriffen seien oft auf den ersten Blick erkennbar.


(Quelle: Berner Zeitung, 5. November 2013, Autorinnen: Juliane Lutz / Rahel Guggisberg)


Artikel in der Berner Zeitung: «Reiche Ausländer legen sich in der Schweiz unters Messer»
04.08.2013

Männer kriegen ihr Fett weg

Schön gespritzt: Schweizer Männer lassen auch immer mehr nicht invasive Eingriffe wie Botox- oder Laserbehandlungen über sich ergehen

Olaf Heim* ist ein Bild von einem Mann: 1,90 Meter gross, durchtrainiert, mit sonnengebleichtem Haar. Er zieht sofort die Blicke auf sich, als er ins Restaurant tritt. Dass er seinem ansprechenden Äusseren etwas nachgeholfen hat, darüber will er nur anonym sprechen. «Mein Umfeld ist noch nicht so tolerant wie ich», scherzt der Marketingleiter eines grossen Schweizer Versicherungsunternehmens. Heim hat sich vor kurzem am Bauch Fett absaugen lassen. Nachdem Diät und Sport nichts gebracht hätten. «Mich haben diese kleinen Fettringe schon lange gestört.» Seinen Besuch beim Schönheitsdoc habe er nicht bereut, obwohl er nach dem Fettabsaugen «ziemliche Schmerzen» gehabt habe.

Olaf Heim ist in guter Gesellschaft: Immer mehr Männer wagen den Schritt zum Schönheitschirurgen, lassen sich Falten aufspritzen, Haare verpflanzen oder Nasen korrigieren. Von den jährlich 50 000 Schönheits-OPs in der Schweiz ist der Patient rund 9500- mal männlich. Fettabsaugen ist bei Männern der am häufigsten gewünschte Eingriff, gefolgt von der Augenlidstraffung. Ebenfalls im Trend sind Haartransplantationen. 2011 unterzog sich der englische Nationalkicker Wayne Rooney einer Haarverpflanzung. Allerdings verlief diese 20 000-Franken-OP nicht wirklich erfolgreich. Zufrieden mit seiner «haarigen» Veränderung ist Jürgen Klopp, Fussballtrainer bei Borussia Dortmund. «Ich finde, das Ergebnis ist ganz cool geworden», liess er verlauten.

Zu glauben, dass sich nur Stars oder die betuchte Oberschicht operieren lassen, ist falsch. Die Patienten kommen aus allen Bevölkerungsschichten und allen Altersklassen. «Junge Männer lassen sich vor allem Fett absaugen und die Nase korrigieren, ältere Männer wollen sich, neben dem Fettabsaugen, vor allem die Oberlider straffen lassen», sagt Gertrude M. Beer, Fachärztin für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie FMH. Nicht immer entschliessen sich die Männer ganz freiwillig zum Besuch beim Schönheitsdoc. «In letzter Zeit nehmen immer mehr Frauen ihre Männer zur Begutachtung mit», so Beer. «Viele Frauen denken, wir geben und so viel Mühe, attraktiv auszusehen, diese Mühe sollen die Männer auch auf sich nehmen.»

Die Schweiz hat den höchsten Verbrauch an Botox
Aber nicht nur im Bereich der Schönheitschirurgie holen die Männer auf. Auch nicht invasive Methoden wie Botox- oder Laserbehandlungen werden zunehmend von Männern gewünscht. So hat die Schweiz den grössten Verbrauch an Botox pro Kopf im internationalen Vergleich. Bei Smoothline, einem auf kosmetische Botulinum- und Filler-Behandlungen spezialisierten Resort, ist die Zahl der Kunden im letzten Jahr um 25 Prozent gewachsen. Jeder sechste Kunde ist ein Mann. «Es gibt zwei Hauptgruppen», sagt Dan Iselin, ärztlicher Leiter von Smoothline. «Zum einen kommen Männer aus der oberen Hälfte der sozioökonomischen Schicht, zwischen 35 bis 50 Jahren, zum anderen jüngere, homosexuelle Männer.»

Auch bei Kosmetikerinnen und Waxing-Institutengibt es immer mehr Kunden. Bei Wax Inn, einem Institut, das in Bern, Basel und Zürich Filialen hat, ist der Anteil männlicher Kundschaft gestiegen. «Der Favorit ist Haarentfernung am Rücken, gefolgt von der Haarentfernung an Brust und Bauch. Die Haarentfernung im Intimbereich, der sogenannte Brazilian Man, wird am dritthäufigsten verlangt», sagt Geschäftsführerin Sandra Käser. Der Brazilian Man, der unter «Desserts- yummy yummy» angeboten wird, kostet im Studio in Bern, «exkl. Po-Falte», 85 Franken. Die wohl angenehmste Art, sich und seinem Äusseren Gutes zu tun, ist der Gang zur Kosmetikerin. Allerdings braucht auch dieser Schritt beim Mann eine gewisse Überwindung. «Oft sind es Mütter oder Freundinnen, die einen Mann ermutigen, sich zu einer Gesichtspflege anzumelden», sagt Denise Gadient vom Kosmetikinstitut The Face in Zürich. «Eine gepflegte Haut gehört heute zum Standard der meisten Männer», so Gadient.

Diese Entwicklung sieht man auch bei der Marke Nivea Men. «Männer zwischen 25 und 49 zeigen die höchste Affinität zu Kosmetikprodukten und sind auch die entsprechend grösste Zielgruppe. Doch mit dem Älterwerden dieser pflegebewussten Zielgruppe und dem demografischen Wandel wird auch der Gesichtspflegemarkt ab 50+ zukünftig wachsen», sagt Senior Brand Manager Lukas Schulthess. «Überspitzt gesagt befindet sich der moderne Mann heute irgendwo zwischen Caveman und metrosexuellem Beckham.»

Was aber bringt die Männer dazu, sich den gleichen Schönheitsritualen zu unterwerfen wie die Frauen? «Die Bösen sind die Hässlichen», sagt Stephan Hägeli, Geschäftsführer von Acredis Spezialzentren für Ästhetische Chirurgie: «Menschen schliessen unbewusst vom Äusseren auf das Innere.» Für viele Männer sei deshalb der berufliche und soziale Aufstieg mit einer optischen Korrektur verbunden. «Bis vor fünf Jahren war für viele Männer eine Operation keine Option. Das Luxustussi-Image der Branche mit Assoziationen wie maskenartige Gesichter und überdimensionale Brüste haben das starke Geschlecht ferngehalten», so Hägeli. Im Zuge der Verfeinerung der Methoden und Techniken habe sich die Möglichkeit für natürlichere Ergebnisse gewandelt.»

Beschränkte Möglichkeiten für Penisvergrösserung
Hat in Zukunft nur noch der gut aussehende und gepflegte Mann Erfolg? Hemmt ein Bierbauch beim Ersteigen der Karriereleiter? «Männer erleben eine Entwicklung, denen Frauen schon lange ausgesetzt sind», sagt Susanne Brauer, Studienleiterin Bioethik, Medizin und Life Sciences von der Paulus-Akademie Zürich. Eine «Moralisierung» des Männerkörpers finde nun ebenfalls statt und laufe über das Thema Leistung. Es sei vor allem der «soziale Druck», der insbesondere in der Arbeitswelt aufgebaut werde: dass man trotz hoher Belastung nach wie vor jugendlich und dynamisch auszusehen habe. «Dahinter steht ein rein mechanisches Denken», so Brauer, «das Alter wird als Schaden am Körper wahrgenommen, der aber mit Hilfsmitteln zu reparieren ist.» Brauer findet diese Entwicklungen «fatal». Man solle sich gegen diese Denkweisen wehren, indem man nicht mitmache.

Ein Gebiet, das sich im wahrsten Sinne des Wortes im Wachstum befindet, ist die Genitalchirurgie. Allerdings sind die Möglichkeiten für eine Penisvergrösserung beschränkt. Die operative Verlängerung wirkt rein optisch, denn die Möglichkeiten sind begrenzt: Eine echte Verlängerung des Schwellkörpers ist gar nicht möglich.

Im ästhetischen Bereich geht es um viel Geld, grosse Wünsche und teilweise zu grosse Versprechungen. Und: Eine Operation oder ein Eingriff ist immer mit einem gewissen Risiko verbunden. In der Schweiz werden laut Acredis immer mehr Schadensfälle nach Schönheitsbehandlungen gemeldet. Das hat damit zu tun, dass das Angebot immer grösser und unübersichtlicher geworden ist. Aber auch damit, dass noch immer jeder Arzt ohne besondere Ausbildung Schönheitsbehandlungen vornehmen kann.

Weder mögliche Komplikationen noch Schmerzen oder die Kosten bringen manche Männer von ihren Vorstellungen perfekter Schönheit ab: Den 26-jährigen Fitnesstrainer Rico Gonzalez* störten sein müder Blick und seine Tränensäcke. Nachdem er bereits diverse Botox- und Hyaluronunterspritzungen gehabt hatte, suchte er Hilfe bei einer Schönheitschirurgin, die ihm allerdings von einer Operation abriet. Gonzalez ging zum nächsten Beauty Doc und wurde von ihm operiert. Das Ergebnis befriedigte ihn nicht. Darum wäre er einer weiteren Operation, nicht abgeneigt. «Ich bin halt ein Perfektionist», sagt Gonzalez trotzig.

* Namen von der Redaktion geändert

(Quelle: SonntagsZeitung, 4. August 2013)


Artikel SonntagsZeitung
30.05.2013

Bin ich schön?

Eine gemeinsame Ausstellung des Museums für Kommunikation und des Naturhistorischen Museums der Burgergemeinde Bern 9. November 2012 bis 7. Juli 2013

Einladung zum Mittagsreferat

Ästhetische Chirurgie heute

Dr. med. Andreas Tschopp, Klinik im Spiegel

Donnerstag, 30. Mai 2013, 12:30 bis 13:45

Museum für Kommunikation, Helvetiastrasse 16, 3005 Bern

Eine wachsende Schönheitschirurgie will uns helfen, ein Leben lang schön zu sein. Dabei steht vor allem die plastische Chirurgie im Mittelpunkt. Aktuell geht der Trend zu minimal-invasiven Verfahren und dem Einsatz von Stammzellen. Dr. med. Andreas Tschopp, plastischer Chirurg an der Klinik im Spiegel in Bern, berichtet im Mittagsreferat vom 30. Mai aus erster Hand über die neueste Schönheitschirurgie Das Referat gehört zur Veranstaltungsreihe „Medizin- historische Runde“ des Instituts für Medizingeschichte der Universität Bern. Aus Anlass der Ausstellung «Bin ich schön?» findet der Vortrag im Museum für Kommunikation statt.


Website Museum für Kommunikation «Bin ich schön?»
 
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