Intimchirurgie?

Der Trend zur Intimchirurgie geht ungebrochen weiter: dabei geht es oftmals nicht nur darum eine ästhetische Balance wiederherzustellen, sondern primär funktionelle Beschwerden zu behandeln.

Bei der Labienplastik werden mit einer angepassten Technik die vergrösserten inneren Schamlippen verkleinert.
Warum sind die inneren Schamlippen vergrössert? Oftmals ist es konstitutionell bedingt; nach Gewichtsschwankungen oder Geburt kann sich die Form und Grösse auch verändern. Im Alter verlieren die grossen Schamlippen an Volumen und zudem können sich die inneren Schamlippen vergrössern. Beides führt zu einer Dysbalance.
Die Operation wird ambulant in Lokalanästhesie mit Dämmerschlaf durchgeführt. Die Heilungsphase dauert 2-4 Wochen, in dieser Zeit sollten auch keine sportliche Aktivitäten durchgeführt werden.
Die Komplikationsrate ist sehr gering (1-2%); wie bei jedem Eingriff können jedoch Komplikationen wie eine Nachblutung, Wundheilungsstörung oder Infektion auftreten. Symptome wie Überempfindlichkeiten oder Missempfindungen sind vorübergehend.

Was sagt die Literatur?
A Retrospective Study of the Psychological Outcomes of Labiaplasty. Gemma Sharp et al.
Aesthetic Surgery Journal 2017, Vol 37(3) 324–331
Die Frauen waren mit dem Resultat sehr zufrieden und haben auch eine Verbesserung in ihrem Sexualleben und psychologischem Wohlbefinden festgestellt.
Wenn präoperativ funktionelle/ anatomische Gründe für eine Labienplastik vorlagen, war die Zufriedenheitsrate höher.

- Major Motivators and Sociodemographic Features of Women Undergoing Labiaplasty. Ozan Dogan et al. Aesthetic Surgery Journal, sjy321, https://doi.org/10.1093/asj/sjy321. 10 December 2018
Die Hauptmotivation für eine Labienplastik war Verbesserung in der Erscheinung (43.7%) und besseres Sexualleben (26.8%). Für die Entscheidung zur Operation waren ästhetische (51.1%), sexuelle (46.5%) und psychologische (39.4%) Gründe ausschlaggebend.

Dr. med. Hyunju Kim Haemmig
Fachärztin für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie FMH

Cosmetic (Aesthetic) Surgery National Data Bank 2018
Statistics of the American Society for Aesthetic Plastic Surgery

Nun sind die Daten aus den USA publiziert…


Die Top-5 der operativen Eingriffe bei den Frauen in 2018
1. Brustvergrösserung (329'914 Eingriffe)
2. Fettabsaugung (257’020)
3. Bruststraffung (158'964)
4. Bauchstraffung (152'446)
5. Lidstraffung (97'916)

Die Top-5 der operativen Eingriffe bei den Männern 2018
1. Fettabsaugung (32'241)
2. Männerbrust-OP, Gynäkomastie (24'672)
3. Lidstraffung (17'593)
4. Nasen-OP (6'729)
5. Bauchstraffung (5'046)

Die Top-5 der Nicht-operativen Eingriffe
1. Botulinumtoxin-Behandlung (1'801'033)
2. Hyaluronsäure-Behandlung (810'240)
3. Nicht-Chirurgische Fettreduktion (174'244)
4. Photorejuvenation (135'624)
5. Chemische Peelings (129'596)


Buttock Augmentation (Gesässvergrösserung)
- Zunahme um 61% in den letzten 5 Jahren
- 26'774 Eingriffe 2018

Labienplastik
- Zunahme um 53% in den letzten 5 Jahren
- 12'756 Eingriffe 2018

Eine spannende Zusammenstellung von kosmetischen Eingriffen, welche 2018 in den USA durchgeführt wurden. Unter dem Vorbehalt, dass die Eingriffe überhaupt rückgemeldet werden. Die tatsächlichen Zahlen werden sicherlich noch höher liegen.

Die American Society for Aesthetic Plastic Surgery (The Aesthetic Society) hat über 2600 Mitglieder, meist aus den USA/Kanada und auch internationale Mitglieder aus 50 Ländern.

Die Zahlen reflektieren absolut die Eingriffe, die wir in der Klinik am häufigsten durchführen: Brust und Botox sind führend!

New Plastic Surgery Statistics Reveal

 
Dr. med. Hyunju Kim Haemmig
Fachärztin für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie FMH

ALCL (Anaplastisches Large Cell Lymphoma)
Aus aktuellem Anlass eine Stellungnahme zum Thema ALCL (Anaplastisches Large Cell Lymphoma) und Brustimplantate.

Am 16.2.2019 wurde in der NZZ am Sonntag folgender Artikel publiziert: Brustimplantate verursachen Krebs bei zahlreichen Frauen. In der Schweiz sind mindestens fünf Frauen an Lymphomen erkrankt. Die Behörden prüfen eine Einschränkung des Gebrauchs.

Worum geht es?
  • ALCL ist eine sehr seltene Krebserkrankung (T-Zell-Lymphom) assoziiert mit Brustimplantaten, welches erstmals 2011 beschrieben wurde.
  • Weltweit sind 660 Fälle bekannt, davon gibt es 9 Todesfälle. In der Schweiz sind 5 Erkrankungen bekannt.
  • Symptome: Meist wenig symptomatische einseitige Schwellung der Brust ohne Schmerzen (meistens viele Jahre, im Durchschnitt 8-10 Jahre nach der Brustvergrösserung)
  • Bestätigung der Diagnose mit einer Zytologie (d.h. Punktion und Untersuchung der Flüssigkeit um das Implantat auf die typischen T-Zellen)
  • Behandlung: Entfernung des Implantates mit der Kapsel, je nach Ausbreitung der Krankheit ist eine Chemotherapie notwendig 
  • ALCL wurde in Zusammenhang gebracht mit texturierten Implantaten 
  • Frankreich hat ein Verbot der Verwendung von Implantaten der Firma Allergan ausgesprochen
  • Weltweit lassen sich jährlich über 1,5 Mio. Frauen die Brust vergrössern.

Fazit
Die wissenschaftliche Datenlage lässt es heute nicht zu, Verbote bestimmter Implantate auszusprechen. Deshalb bleibt Frankreich auch das einzige Land weltweit, welches diesen Schritt gegangen ist.

Es werden nun weltweit Studien durchgeführt. Bis zum Vorliegen guter Daten aus diesen Studien gibt es keine Empfehlung, bereits eingelegte texturierte Implantate zu wechseln oder zu entfernen. Bis dahin wird allerdings die Einlage von glatten oder sehr fein texturierten Implantaten empfohlen.

ALCL sind sehr selten: Die Inzidenzrate in den USA beträgt 2.03 pro 1 Million Personen pro Jahr, dh. ein Fall von ALCL wenn 50‘000 Patienten mit texturierten Implantaten während 10 Jahren kontrolliert werden. (U.S. Epidemiology of Breast Implant–Associated Anaplastic Large Cell Lymphoma. Plast. Reconstr. Surg. 139: 1042, 2017)



Dr. med. Hyunju Kim Haemmig
Fachärztin für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie FMH

«Grössere Brüste 100% natürlich»
So bewirbt eine Beautyklinik die Brustvergrösserung mit Eigenfett im 20min.
Seit einigen Jahren nimmt die Nachfrage nach diesem Verfahren zu, wobei Eigenfett vielseitig angewendet werden kann. Volumen ist manchmal nicht nur im Bereich der Brust gefragt, sondern auch am Gesäss oder im Gesicht.

Das Fett wird mit einem speziell schonenden Liposuktions-Gerät abgesogen, welches die Fettzellpakete mit einem Wasserstrahl aus dem Gewebeverband herauslöst, sog. water-assisted lipoplasty (WAL). Das Fett lässt sich wie bei einer herkömmlichen Fettabsaugung vom Bauch, den Oberschenkeln oder Flanken gewinnen und wird danach im Lipokollektor gefiltert und gesammelt. Das reine Fett kann dann in den gewünschten Bereich eingespritzt werden. Ca. 70% der Fettzellen überleben und wachsen dauerhaft an der behandelten Stelle an. In der Regel ist das definitive Resultat nach 4 Monaten erreicht.

Die Resultate sind in der Tat sehr natürlich und der Eingriff minimal invasiv. Ein grosses Plus ist auch, dass gleichzeitig lästige Fettpolster entfernt werden können, eine Operation mit doppeltem Gewinn also (two in one).

Es eignen sich jedoch nicht alle Brüste für dieses Verfahren: Ideal für Frauen, die bereits Kinder gestillt haben, da die Brust beim Stillen einmal grösser war und das Gewebe nach dem Abstillen aufgelockert ist. Weiter sollten genügend Fettreserven vorhanden sein, was bei sehr schlanken Frauen manchmal eine Einschränkung ist. So kann eine dauerhafte Brustvergrösserung von 1 bis maximal 2 Körbchengrössen erreicht werden.

Eine sorgfältige präoperative Evaluation und genaue Besprechung sind deshalb unerlässlich. Wir führen diesen Eingriff in der Regel ambulant in Lokalanästhesie mit Sedation (Dämmerschlaf) durch.

Ein spannender Weg also, den Frau gehen kann um ohne Implantate ein schöneres Décollté zu erhalten!!

Dr. med. Hyunju Kim Haemmig
Fachärztin für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie FMH
Was bringt uns 2019?
RealSelf Release 2018: Aesthetics trend report and 2019 aesthetics watch list

Noch kurz zu RealSelf: Das ist ein führender online-Marktplatz in den USA um mit Experten und Kunden die Erfahrungen über kosmetische Eingriffe auszutauschen und mit den richtigen Anbietern/Ärzten in Kontakt zu treten.

Was sind die Schlagzeilen?

1. Im Jahr 2018 ist das Interesse an minimal invasiven kosmetischen Behandlungen höher als an den chirurgisch ästhetischen Eingriffen

Botulinumtoxin und Brustimplantate stehen an erster Stelle

2. Motiva-Brustimplantate (diese Marke benützen wir in unserer Klinik auch sehr häufig) und Emsculpt (Gerät für Straffung zB. des Gesässes) wurden 2018 am meisten gesucht

3. Über welche operativen Eingriffe wurde am meisten diskutiert?

Brustvergrösserung, Bauchstraffung, Brazilian butt lift, Nasen-OP, Liposucction, Lidstraffung, Brustverkleinerung, Mommy makeover, Facelift, Bruststraffung


4. Über welche minimal invasiven kosmetischen Eingriffe wurde am meisten diskutiert?
Botulinumtoxin, CoolSculpting (Kryolipolyse, dh. Fettpolster mit Kälte angehen), Juvederm (Fillermarke), Haarentfernung mit Laser etc.

5. Was interessiert Frauen? 
Brustvergrösserung, Bauchstraffung, Botox, Nasen-OP etc.

6. Was interessiert Männer?
Nasen-OP, Haartransplantation, Bauchstraffung, ästhetische Zahnbehandlung etc.


Trends für 2019
1. Jahr des Toxins (Botox als Prävention, Baby-Botox)
2. Nicht-invasive Behandlung mit Emsculpt (Tonisierung Gesässmuskel durch forcierte Muskelstimulation)
3. Vermehrte Diskussion über die moderne Schönheit (Celebrities und Influencers sprechen offener über ihre Erfahrungen mit Schönheitseingriffe…)

PS: Baby-Botox ist sozusagen die Einsteigerversion. Das Botulinumtoxin wird an den gewünschten Arealen in einer geringeren Dosis und oberflächlich injiziert, um die Mimik nicht zu sehr einzuschränken. Es hält aber dafür auch entsprechend weniger lange.

Es bleibt spannend was das Jahr 2019 bringen wird und wir bleiben dran!


Dr. med. Hyunju Kim Haemmig
Fachärztin für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie FMH

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Botulinumtoxin und Depressionen

Es ist bekannt, dass Botulinumtoxin sehr vielfältig eingesetzt werden kann. Den meisten Leuten kommt zuerst die Faltenbehandlung in den Sinn. Aber Botulinumtoxin kann auch für übermässiges Schwitzen, chronische Migräne und bei Muskelspasmen (Muskelkrämpfe) jeglicher Art (z.B. Spasmen bei der Speiseröhre, Anus, Blase, Gesichtsspasmen, Extremitäten) erfolgreich eingesetzt werden.

Mit Interesse habe ich verfolgt, was Dr. Mark Nestor vom Center for Clinical and Cosmetic Research in Aventura, Florida in der Herbstsession der Clinical Dermatology Conference 2018 in Las Vegas gesagt hat. 

Zitat Dr. Nestor: „Botulinumtoxin ist sicher, minimal invasiv und hat sowohl klinische wie auch kosmetische Vorteile.“

Weiter sagt er folgendes über den Facial Feedback-Mechanisumus von Botulinumtoxin, was man als ‘Gefühlsansteckung’ übersetzen kann: 
„Wenn die Glabellaregion (Zornesfalte) behandelt wird, hat man einen weniger bösen und negativen Ausdruck und ist auch zufriedener im Sinne der Gefühlsansteckung. Ist man von Personen umgeben, die weniger die Stirne runzeln und böse reinschauen, runzelt man selber weniger und ist auch weniger mit negativen Emotionen beladen. Wenn man von verärgerten grimmigen Personen umgeben ist, übernimmt man eher diesen Ausdruck. Hat man zufriedene und lachende Menschen um sich, fühlt man sich automatisch besser.  Das hat natürlich einen grossen Einfluss auf das Sozialleben und in der Arbeitswelt.“

Kommt dazu, dass man mit sich selbst wohlwollender umgeht, wenn einem beim Blick morgens in den Spiegel ein fröhliches Gesicht entgegenlacht…
Natürlich ist Glück und Zufriedenheit nicht nur abhängig von Botulinumtoxin, aber es kann einen Beitrag dazu leisten. 

Wie so oft im Leben liegt die Kunst im Mass: Botulinumtoxin ist ein wenig wie Schminke, entweder ist es richtig dosiert und aufgetragen und bereitet Freude - oder man kann es einfach übertreiben. Heisst natürlich nicht, dass Behandlungen mit Botulinumtoxin nur den Frauen vorbehalten sind.

Darum, be relaxed and keep smiling  :-)  mit oder ohne Botulinumtoxin :-) 

Dr. med. Hyunju Kim Haemmig
Fachärztin für Plastische- Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie FMH
Schweiz am Wochenende, Oktober 2018: "Einmal dicke Lippe, bitte"

Blog Oktober 2018

„Einmal dicke Lippe bitte“, hiess es neulich in der Oktoberausgabe 2018 von Schweiz am Wochenende. Dabei wurde der zunehmende Trend zur Lippenvergrösserung mit Hyaluronsäure insbesondere bei jungen Frauen unter die Lupe genommen. Die zahlreichen Instagramer als Vorbild wünschen sich die Frauen volle Lippen. Das Budget spielt dabei sicherlich eine wichtige Rolle und offenbar gibt es bereits Billigangebote über deindeal.ch. Leider gibt es immer wieder Fälle, nicht nur in den Medien (letztes Jahr musste ein Kosmetikstudio in Bern schliessen, wo nicht ausgebildete Kosmetikerinnen Hyaluron injizierten...) mit Komplikationen oder missratenen Lippen. 

Wichtig ist es deshalb den Eingriff bei erfahrenen und ausgebildeten Fachärzten durchzuführen. Auch in unserer Klinik konnten wir die Erfahrung machen, dass die Verschönerung der Lippen mit Hyaluron zunehmend gefragt ist. Wie ich erst gerade kürzlich an einer Fortbildung bestätigt bekommen habe, kann das Aufspritzen je nach Wahl des Produktes einen wunderbaren „glossy effect“ machen. Konkret- niemand wird es merken, dass ein Schönheitseingriff durchgeführt wurde, aber die Lippen haben den speziellen Glow, dh. den Lipglosseffekt. Das ist insbesondere interessant für Frauen, die sich eine natürliche Lippenvergrösserung wünschen ohne gleich künstlich auszusehen.

Fazit: in erfahrenen Händen kann die Sache mit der „dicken Lippe“ zu einer sehr schönen Lippe führen!


Dr. med. Hyunju Kim Haemmig
Fachärztin für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie FMH